Auf der Suche nach dem richtigen Stilllegungskonzept
Der Weg zum Optionenvergleich
- Datum
- 15.01.2010
1967 begann die Einlagerung radioaktiver Abfälle in der Asse. Ein Stilllegungskonzept für die Zeit nach der Einlagerung gab es damals jedoch nicht. Nach heutigem Recht wäre das nicht erlaubt, ist doch ein Stilllegungskonzept mit vorher erbrachtem Langzeitsicherheitsnachweis Voraussetzung für eine atomrechtliche Genehmigung eines Endlagers - und natürlich auch für dessen Stilllegung. Bei der Asse müssen dagegen das notwendige Stilllegungskonzept sowie der Langzeitsicherheitsnachweis nachträglich erarbeitet werden. Die Suche nach der besten Lösung beschäftigt zahlreiche Experten.
Das Stilllegungskonzept des Helmholtz Zentrums München (HMGU)
Das HMGU ging davon aus, dass sich der Zufluss von Zutrittswässern nicht auf Dauer vermeiden lässt. Um das Bergwerk zu stabilisieren, setzte das HMGU darauf, die Schachtanlage selbst gezielt zu fluten. Eine Schutzflüssigkeit (Schutzfluid) sollte den Druck in den Abbaukammern erhöhen und so die Bewegung des Gebirges verlangsamen. Ein bestimmtes chemisches Mischungsverhältnis sollte zudem dafür sorgen, dass die Flüssigkeit weder die Kali- (Carnalilitit-) noch die Steinsalzvorkommen angreift.
Das Flutungskonzept nimmt einen Kontakt der radioaktiven Abfälle mit Flüssigkeiten in Kauf. Dies birgt die Gefahr, dass die Flüssigkeiten radioaktive Substanzen aus den Abfällen herauslösen. Die Eigenschaften des Schutzfluids sollten die Herauslösung von Radionukliden allerdings reduzieren.
Zusätzlich wurden sogenannte Strömungsbarrieren geplant und teilweise auch schon errichtet. Ziel war, das Schutzfluid an den Einlagerungskammern vorbeizulenken. So wollte das HMGU verhindern, dass Schutzfluid in die Kammern eindringt, dort Radioaktivität aufnimmt und durch die Bewegung des Gebirges in größeren Mengen wieder aus den Kammern herausgedrückt wird.
Arbeitsgruppe Optionenvergleich
Nachdem das Stilllegungskonzept des früheren Betreibers öffentlich in die Kritik geraten war, vereinbarten das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesumweltministerium und das Niedersächsischen Landesministerium für Umwelt und Klimaschutz im November 2007, auch andere Schließungsmöglichkeiten zu prüfen. Dazu wurde im März 2008 die Arbeitsgruppe Optionenvergleich (AGO) eingesetzt, an der das BfS federführend beteiligt ist.
Die AGO soll das Stilllegungskonzept des HMGU auf den Prüfstand stellen, Maßnahmen zur Verbesserung der Grubenstabilität entwickeln und Optionen für die Stilllegung untersuchen. Als Grundlage erstellten externe Sachverständige Gutachten über die Möglichkeit, die mittelaktiven Abfälle aus der Asse zurückzuholen und das Bergwerk zu stabilisieren. Als erste vom BfS vorgeschlagene Maßnahme wurde von der AGO die Firstspaltverfüllung als sinnvoller Schritt zur Erhöhung der Grubenstabilität befürwortet. Sie wurd im Jahr 2009 begonnen.
Im Februar 2009 legte die AGO einen Bericht vor, in dem sie bewertete, welche Möglichkeiten zur Schließung der Asse vertieft geprüft werden sollen. Als Ergebnis untersuchte das BfS in einem sogenannten Optionenvergleich anhand vorher festgelegter Kriterien drei Stilllegungsvarianten: Eine Möglichkeit ist, die Abfälle aus der Schachtanlage zu holen und anderswo einzulagern (Rückholung). Eine andere Möglichkeit sieht vor, in einem tieferen Teil des Salzstocks neue Hohlräume zu schaffen und die Abfälle dorthin umzulagern (Umlagerung). Die dritte Möglichkeit besteht darin, die Hohlräume in dem Bergwerk vollständig mit Beton zu verfüllen (Vollverfüllung).
Das Ergebnis der Prüfung der drei Stilllegungsoptionen veröffentlichte das BfS im Januar 2010: Die Rückholung der Abfälle aus der Schachtanlage Asse II ist nach jetzigem Kenntnisstand die beste Variante beim weiteren Umgang mit den dort eingelagerten radioaktiven Abfällen.
Weitere Informationen zum Ergebnis des Optionenvergleichs
Weitere Informationen zur Rückholbarkeit der mittelaktiven Abfälle
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