Ein Berg voller Fragen
Arbeiten und Pläne für die Asse II
- Datum
- 15.01.2010
Zum 1. Januar 2009 hat die Bundesregierung die Verantwortung für die Asse II vom Bundesforschungs- auf das Bundesumweltministerium übertragen. Seitdem ist das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Betreiber des Bergwerks und führt die Schachtanlage Asse II nach den strengen Regeln einer kerntechnischen Anlage.
Im Bergwerk gibt es große Probleme mit der Stabilität und damit verbunden Risiken eines erhöhten Grundwasserzutritts. Der Grund sind die zahlreichen dicht beieinander liegenden Abbauhohlräume an der Südflanke der Schachtanlage. Die geschädigte Flanke gibt durch den Gebirgsdruck nach. Durch die Gebirgsbewegung werden das Nebengebirge und das nur wenige Meter dicke Steinsalz zwischen den Abbaukammern und dem Nebengebirge geschädigt. Die Folgen: Durch die Klüfte im Nebengebirge und durch das aufgelockerte Salzgestein dringen täglich etwa 12.000 Liter salziges Grundwasser in das Bergwerk ein. Das eingedrungene Wasser wird aufgefangen und zu Sammelbecken geleitet (auf der 658-m-Sohle) bzw. in Sümpfen gesammelt (725-m- und 750-m-Sohle).
Bis 1925 wurden außerdem die Kammern in der Nordflanke mit feuchten Rückständen aus einer Kalifabrik verfüllt. Diese Feuchtigkeit breitet sich aus und kam bereits mit den radioaktiven Abfällen in Kammer 12 in Kontakt. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass sich Gesteinsbrocken von den teilweise aufgelockerten Decken der Abbaukammern lösen.
Rückholung, Umlagerung oder Vollverfüllung?
Das BfS hat in einem sogenannten Optionenvergleich verschiedene Möglichkeiten, wie die Asse II stillgelegt werden kann, untersucht: Eine Möglichkeit ist, die Abfälle aus der Schachtanlage zu holen und anderswo einzulagern (Rückholung). Eine andere Möglichkeit sieht vor, in einem tieferen Teil des Salzstocks neue Hohlräume zu schaffen und die Abfälle dorthin umzulagern (Umlagerung). Die dritte Möglichkeit besteht darin, die Hohlräume in dem Bergwerk vollständig mit Beton zu verfüllen (Vollverfüllung). Das Ergebnis der Prüfung der drei Stilllegungsoptionen veröffentlichte das BfS im Januar 2010: Die Rückholung der Abfälle aus der Schachtanlage Asse II ist nach jetzigem Kenntnisstand die beste Variante beim weiteren Umgang mit den dort eingelagerten radioaktiven Abfällen.
Das Schließungskonzept des ehemaligen Betreibers Helmholtz Zentrum München (Verfüllung mit einer Flüssigkeit) kann Teil einer Notfalloption sein, sofern die Zeit infolge eines unbeherrschbaren Lösungszutritts für eine geordnete Stilllegung nicht mehr ausreicht.
Der Vergleich und die Bewertung der Stilllegungsoptionen erfolgte anhand vorher festgelegter Kriterien. Das BfS hat diese Kriterien erarbeitet, zur öffentlichen Diskussion gestellt und in einem Kriterienbericht veröffentlicht. Zu den wichtigen Beurteilungsfeldern gehörten unter anderem die Sicherheit während des Betriebs des Endlagers, die Langzeitsicherheit, die technische Machbarkeit und der Zeitbedarf der zu untersuchenden Stilllegungsoption.
Um die Kriterien auf die einzelnen Optionen anwenden zu können, hat das BfS für jede Stilllegungsoption Machbarkeitsstudien anfertigen lassen. Diese Studien wurden im Oktober 2009 in einem öffentlichen Workshop vorgestellt und im Internet veröffentlicht. Das Ergebnis dieses Entscheidungsprozesses wurde im Januar 2010 veröffentlicht.



