Zutrittswässer und Laugen
- Datum
- 12.05.2009
Durch Klüfte im umliegenden Gebirge dringen salzhaltige Zutrittswässer in die Asse ein. Sie werden unter Tage aufgefangen oder gefasst, wie das fachsprachlich heißt. Bevor sie das Gelände der Asse verlassen dürfen, müssen sie ein strenges Freigabeverfahren durchlaufen. Laugen, die mit radioaktiven Abfällen in Berührung gekommen sind, werden nicht über Tage gebracht.
Zutrittswässer
Speicherung der Zutrittswässer auf der 490-m-Sohle
Pro Tag fließen rund 12 Kubikmeter Zutrittswässer in das Bergwerk ein. Der größte Teil (zirka 10,5 Kubikmeter pro Tag) wird in 658 Meter Tiefe gefasst. Etwa 1,1 Kubikmeter am Tag werden in 725 Metern Tiefe aufgefangen. Ein geringer Anteil (zirka 0,2 Kubikmeter pro Tag) wird in 750 Meter Tiefe gesammelt. Dort lagert ein Teil der radioaktiven Abfälle. Ein direkter Zutritt dieser Wässer in die Einlagerungskammern ist bisher nicht nachgewiesen. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass dieser Fall auf der 750-m-Sohle eingetreten sein könnte. Die auf der 658-m-Sohle gefassten Zutrittswässer treten direkt aus dem Nebengebirge zu und haben daher keinen Kontakt zu den Abfällen.
Die Zutrittswässer können den Salzstock, in dem die Abbaukammern der Südflanke und auch die radioaktiven Abfälle liegen, nicht auflösen. Die Wässer sind mit Steinsalz gesättigt, können also kein weiteres Steinsalz aufnehmen. Sie können jedoch zusätzlich Kalisalze (Carnallitit) aufnehmen. Sollten die Wässer bis in das Kaliflöz vordringen, könnten sie das Kalisalz angreifen und so die Stabilität des Grubenbaues zusätzlich schwächen.
Management der Zutrittswässer
Im Juni 2008 wurde der Abtransport der Zutrittswässer vorübergehend gestoppt. Bevor die auf der 658-m-Sohle gefassten, aus dem Nebengebirge zutretenden Wässer aus der Asse abtransportiert werden dürfen, müssen sie "freigemessen" werden. Das heißt, dass ihr Gehalt an Radionukliden strengen Freigrenzen unterworfen ist. Umfangreiche Messungen haben ergeben, dass diese Freigabewerte für Tritium, das die Wässer während langer Verweildauern unter Tage aus der Grubenluft aufnehmen, lediglich zu sechs Prozent ausgeschöpft waren. Damit können die Zutrittswässer gemäß der Strahlenschutzverordnung an Entsorgungsunternehmen abgegeben werden. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht dabei nicht.
Das BfS hat zusätzlich ein neues technisches Konzept entwickelt, durch das die Aufnahme von Radionukliden in den Zutrittswässern weiter reduziert wird. Freigegebene Zutrittswässer werden seit Februar 2009 wieder in das stillgelegte Bergwerk Mariaglück bei Höfer verbracht. Messungen haben gezeigt, dass die Tritiumwerte durch das neue Management deutlich gesenkt werden. Zwischenzeitlich hatte man Zutrittswässer in oberirdischen Spezialbehältern gesammelt. Diese Vorräte sollen unter Tage für Betonarbeiten eingesetzt werden (Stabilisierungsmaßnahmen).
Kontaminierte Laugen
Vor der Einlagerungskammer 12 auf der 750-m-Sohle hat sich ein „Sumpf“ aus radioaktiv kontaminierter Salzlösung gebildet. Diese Flüssigkeit stammt nachweislich nicht aus den Zutritten und sollte mit diesen nicht verwechselt werden. Sie kam in der Zeit bis 1925 in das Bergwerk. Damals wurden die Hohlräume, die beim Kaliabbau entstanden waren, mit feuchtem Material verfüllt. Die Kontaminationen der Salzlösung stammen, wie neuere Untersuchungen zeigen, aus den Abfällen der Einlagerungskammer 12. Diese Lösung mit Kontaminationen oberhalb der Freigabewerte bleibt unter Tage und wird dort gesondert überwacht.
Weitere kontaminierte Bereiche gibt es in den Strecken der 750-m-Sohle. Die gemessenen Werte liegen ebenfalls teilweise oberhalb der Freigabewerte. Die Kontamination resultiert aus Unfällen während der Einlagerung der radioaktiven Abfälle 1967-1978. Auch diese Lösungen verbleiben unter Tage. Ein weiterer Unfall ereignete sich im Jahr 1980 bei Umlagerungsarbeiten von Kammer 7 nach Kammer 6. Dabei platzte das Fass Nr. 32 in Kammer 7. Eine Fläche von 10 m² wurde in Folge kontaminiert.
Das Helmholtz Zentrum München hatte als ehemaliger Asse-Betreiber kontaminierte Salzlösungen aus dem „Sumpf“ vor Kammer 12 ohne Umgangsgenehmigung nach Strahlenschutzverordnung innerhalb des Bergwerkes transportiert. Sie waren von der 750-Meter-Sohle aus durch ein Bohrloch in den sogenannten Tiefenaufschluss in etwa 975 Meter Tiefe gebracht worden.
Im Februar 2009 wurde bekannt, dass bereits 1988 radioaktiv kontaminierte Lösungen aus dem „Sumpf“ vor Kammer 12 abgepumpt und in Stahlbehältern in die Kammer 11 auf der 700-m-Sohle transportiert wurden. Dort wurden die Salzlösungen auf geschichtete Gesteinsbrocken (Salzhaufwerk) der teilverfüllten Kammer abgelassen.



